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Aktuelle Bücher vorgestellt: „Digitale Disruption“ von Jens-Uwe Meyer. Digital denken – und zwar radikal

Aktuelle Bücher vorgestellt: „Digitale Disruption“ von Jens-Uwe Meyer. Digital denken – und zwar radikal

Die digitale Transformation verändert Märkte, Unternehmen und Kundenansprüche. Aber ist sie vielleicht nur der erste Schritt einer noch viel tiefer greifenden Entwicklung? In seinem Buch "Digitale Disruption" beschäftigt sich Managementberater Dr. Jens-Uwe Meyer mit der nächsten Stufe, der digitalen Disruption, und der Frage, wie Unternehmen sich darauf einstellen können.

Schon auf den ersten Seiten seines Buchs macht Meyer deutlich: Die digitale Transformation ist nicht weit genug gedacht. Denn die Digitalisierung wird Unternehmen und Märkte nicht nur verändern, sondern sie neu definieren. Das bedeutet, dass die Geschäftsmodelle von heute in Zukunft nicht mehr funktionieren werden. Welche Geschäftsmodelle? Im Grunde alle.

Meyer zeigt, dass die Auffassung, eine bestimmte Branche könne nicht digitalisiert werden, ein Irrtum ist: Ob Tief- oder Hausbau, Kosmetik, Rechts- oder Strategieberatung, Handel oder andere Branchen, überall finden sich Beispiele dafür, wie digitale Disruptoren mit Algorithmen und vernetzter Hardware Prozesse übernommen und die alten Unternehmensplatzhirsche angegriffen haben. Drohnen vermessen Baustellen aus der Luft, fahrerlose Bagger und Bulldozer führen die Bauarbeiten aus. Das britische Justizministerium entwickelt digitale Gerichtssäle, in denen die Verhandlungen per Videokonferenz durchgeführt werden. Ein denkbarer nächster Schritt: Standardverfahren werden ohne menschliche Beteiligung von Algorithmen bearbeitet und entschieden. Die Technologie dafür ist bereits vorhanden, die Akzeptanz noch nicht.

Wie Unternehmen disruptiv agieren können, zeigen unter anderem kurze Unternehmensporträts, die über das ganze Buch verteilt sind. Darunter finden sich nicht nur die üblichen Start-up-Verdächtigen, sondern auch Hidden Champions und etablierte Namen wie Gardena oder die Deutsche Telekom.

Die Prinzipien digitaler Disruptoren

Unabhängig davon, welchen Branchen sich digitale Disruptoren zuwenden, folgen ihre Denk- und Handlungsweisen häufig den gleichen Prinzipien:

  1. Nutzen statt kaufen. Digitale Disruptoren verkaufen oft keine eigenen Produkte, sondern Nutzen: Carsharing, Officesharing, Waschmaschinensharing etc.
  2. Crowdification. Materielle Ressourcen, Wissen, Kreativität und Leistungskraft können von vielen Einzelnen eingebracht werden. Ein Beispiel ist Wikipedia.
  3. Zielgruppe eins. Hoch individuelle personalisierte Angebote ersetzen Massenmedien, Massendienstleistungen und Massenprodukte.
  4. Glaskugel 3.0. Datengestützte Vorhersagen zum Verhalten oder den Wünschen eines Kunden machen es möglich, ihm zur richtigen Zeit die richtigen Angebote zu präsentieren.
  5. Kompetenzstandardisierung. Was standardisiert und digitalisiert werden kann, wird standardisiert und digitalisiert werden. Roboterjournalisten schreiben Sportberichte, autonom fahrende Busse kutschieren Passagiere zu ihrem Ziel.
  6. Zentralisierung der Kundenschnittstelle. Ob Vergleichsportal oder Verkaufsplattform: Die neuen Anbieter offerieren ihren Kunden einen zentralen Zugang zu fragmentierten Märkten.
  7. Radikale Effizienzsteigerung. Viele Jobs bestehen darin, Daten zu übertragen – von Papier in ein Computersystem oder von einem Computersystem auf Papier – oder zu bestätigen, etwa bei einem Grundstückskauf. Ein bürokratischer Aufwand, der hoch ineffizient ist und durch Digitalisierung und Automatisierung abgeschafft werden wird. Die Blockchain-Technologie zum Beispiel kann Abschluss und Abwicklung eines Kaufvertrags dokumentieren.

Und über allem steht das Prinzip des Digital Lifestyle. Das Smartphone ist die Tür zur Außenwelt, für alles gibt es eine App. In einer fremden Stadt fragt man nicht mehr an der Hotelrezeption nach einer Restaurantempfehlung, sondern schaut bei diversen Bewertungsportalen. Die Pizza für den gemütlichen Fernsehabend wird nicht telefonisch bestellt, sondern über das Onlineformular. Digital Lifestyle ist schnell, weil Feedback innerhalb von Sekunden erfolgt. Er ist verwöhnt, weil die Nutzer digitale Angebote immer mit den besten vergleichen. Und er ist launisch, die Vorlieben der Nutzer ändern sich schnell – eine Website, die gestern noch mit coolem Design gepunktet hat, ist mit genau diesem Design heute vielleicht schon out.

Was die digitale Disruption für Unternehmen bedeutet

Ein Fazit von Meyer: Die Kultur und die Strukturen der meisten Konzerne und mittelständischen Unternehmen sind darauf ausgerichtet, das operative Geschäft effizient voranzutreiben – nicht darauf, disruptive Geschäftsmodelle zu entwickeln. So ist beispielsweise klassisches Projektmanagement für dynamische und agile Projekte ungeeignet – im Gegensatz etwa zum flexiblen Scrum-Prinzip, in dem schrittweise und relativ ergebnisoffen geplant wird. Das heißt, Unternehmen müssen ihr gewohntes Vorgehen über Bord werfen. Was sie stattdessen tun sollten, beschreibt Meyer im dritten Kapitel.

Zum Beispiel fordert er dazu auf, „schizophrene“ Strategien zu entwickeln, wenn Märkte sich im Umbruch befinden. Das bedeutet, das Bestehende so lange wie möglich zu erhalten und es gleichzeitig durch radikale neue Entwicklungen zu ersetzen – und zwar beides konsequent. Ein weiterer wichtiger Punkt: Schnelligkeit. Wer an aufwändigen Verwaltungsprozessen festhält, in denen zig Gremien berücksichtigt werden müssen, kann seine Innovationen nicht schnell genug auf den Markt bringen und wird von der Konkurrenz überholt.

Führungskräfte sollten ihre Mitarbeiter für Innovationen begeistern, indem sie zum Beispiel wagemutige Ziele setzen und kreatives Scheitern nicht nur zulassen, sondern begrüßen – manche vermeintlich schlechte Idee entpuppt sich im Nachhinein als Volltreffer. Unternehmen sollten sich zwei Fragen stellen: Erstens, welches Grundproblem hat unser Unternehmen gelöst, als es entstanden ist? Zweitens, lösen wir dieses Problem eigentlich noch immer? So finden sie heraus, ob die Grundlage ihres Geschäfts noch besteht oder bereits verschwindet.

Aber das Buch ist nicht allein auf Denkanstöße für die Wirtschaft beschränkt – im vierten Kapitel geht der Autor zudem kurz auf gesellschaftliche Veränderungen im Zuge der Digitalisierung ein. Wo steht Deutschland bei der Digitalisierung im Vergleich zur internationalen Konkurrenz, wie können Schulen wichtige Kompetenzen vermitteln, was bedeutet die Digitalisierung für den Arbeitsmarkt?

Meyers abschließender Rat an seine Leser lautet: Lernen Sie, Ihr Unternehmen, Ihre Abteilung und Ihren eigenen Job radikal digital zu denken. Wie man dabei vorgehen kann, zeigt er auf interessante und gut lesbare Weise.

Das Buch:

Dr. Jens-Uwe Meyer, Digitale Disruption. Die nächste Stufe der Innovation, BusinessVillage, Göttingen 2016, 24,95 Euro

Der Autor:

Dr. Jens-Uwe Meyer war unter anderem Polizeikommissar in Hamburg und Studioleiter bei ProSieben, promovierte an der HHL Leipzig Graduate School of Management und ist heute Internet-Unternehmer, Managementberater sowie Keynote Speaker. Mit zehn Büchern gilt er als einer von Deutschlands führenden Innovationsexperten.

Autor: Redaktion Zukunft. Kunde.
Bildquelle: Melpomene – Fotolia/Adobe Stock

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