| Wissenschaft & Forschung

Aktuelle Bücher: John Brockmann (Hrsg.), „Was sollen wir von Künstlicher Intelligenz halten? Die führenden Wissenschaftler unserer Zeit über intelligente Maschinen“

Aktuelle Bücher: John Brockmann (Hrsg.), „Was sollen wir von Künstlicher Intelligenz halten? Die führenden Wissenschaftler unserer Zeit über intelligente Maschinen“

Der Herausgeber der Internetzeitschrift Edge, John Brockmann, hat aus der ganzen Welt Wissenschaftler, Journalisten und Künstler danach gefragt, was ihre Erkenntnisse, Gedanken und Prognosen über die künstliche Intelligenz (KI) sind. Was sind die Chancen, was sind die Gefahren? Wir stellen eine Auswahl der Mitwirkenden und ihre Meinungen zur KI vor.

Denken bedeutet nicht Unterjochen

Ein von Menschen geschaffener Informationsprozessor könnte eines Tages die Kräfte des menschlichen Geists kopieren und sogar übertreffen. Diese grundsätzliche Möglichkeit sieht Steven Pinker, Professor für Psychologie an der Harvard University. Davor jedoch Angst zu haben, hält er für unbegründet. Warum? Es bestehe noch viel Zeit, um sich auf diesen Moment vorzubereiten und dementsprechende Schutzmaßnahmen in diese Art der künstlichen Intelligenz einzubauen. Dafür werde aber derselbe gesunde Menschenverstand benötigt, mit dem man Tischsägen, Heizungen und Autos entwirft und entwickelt. Außerdem: Warum sollte ein künstliches intelligentes System den Wunsch haben, ab diesem Moment Unschuldige zu vernichten und die Kultur zu beherrschen. „Wenn wir die Science-Fiction-Katastrophenszenarien beiseitelegen, ist die Möglichkeit einer hochentwickelten künstlichen Intelligenz erhebend.“ Nicht nur bei den praktischen Vorteilen im Alltag, sondern auch bei der philosophischen Frage nach der Existenz von Bewusstsein.

Ein Wendepunkt in der künstlichen Intelligenz

KI und Robotik werden nicht nur die Produktivität verbessern, sondern auch für wirtschaftliche und militärische Zwecke eingesetzt werden. Darauf weist Steve Omohundro, Mitbegründer des Center for Complex Systems Research an der University of Illinois, hin. Und diese Ziele würden die meisten Systeme besser erreichen, indem sie sich ausbreiten und mehr Rechenleistung erwerben, Kopien von sich selbst anlegen und mehr finanzielle Ressourcen anhäufen. „Wahrscheinlich werden sie diese Antriebe auf schädliche, unsoziale Weise verfolgen, wenn sie nicht sorgfältig entworfen werden, um menschliche moralische Werte mit einzubeziehen.“ Wenn diese Systeme aber erfolgreich und auf kooperative Weise gehandhabt werden, könnten sie nahezu jeden Aspekt des menschlichen Lebens verbessern.

Eine Chance fürs Überleben

Frank Tipler, Professor für mathematische Physik an der Tulane University, schaut noch weiter in die Zukunft. Entsprechend futuristisch fällt sein Prognose aus: Für ihn ist KI die Chance der Menschheit, den Untergang der Erde, der je nach unterschiedlichen Berechnungen in 1,75 bis 7,59 Milliarden Jahren droht, zu überleben. Und zwar als Upload, indem sie ihren Geist in ein anderes System übertragen! „Kein kohlenstoffbasierter Mensch wird je den interstellaren Raum durchqueren.“ Weil der Mensch sich nur an seine sehr begrenzte Umgebung anpassen kann, gebe es auch keinen Grund für Gewalt zwischen Menschen und der KI. Dieser stehe das gesamte Universum zur Verfügung, um sich auszubreiten, die Erde zu verlassen und niemals zurückzukehren.

Neugestaltung der Gesellschaft

Der Ressortleiter Wissenschaft der New York Times, John Markoff, weist dagegen auf die Risiken hin, die entstehen könnten, wenn immer mehr Alltagsentscheidungen an Algorithmen übertragen werden: Das Vertrauen auf Navigationssysteme etwa hemme die Fähigkeit zu räumlichem Gedächtnis und Denken. Was einmal als Internettechnologie begonnen habe, entwickele sich zum wachsenden Feld für datenhungrige Algorithmen, die für uns Entscheidungen treffen. „Die Lehre besteht darin, dass die Softwareingenieure, KI-Forscher, Robotiker und Hacker, die diese zukünftigen Systeme konstruieren, die Macht besitzen, die Gesellschaft neu zu gestalten.“

 

Flexibilität wird entscheidend sein

Timo Hannay, Geschäftsführer Digital Science bei MacMillan Science and Education, ist überzeugt davon, dass sich Menschen und Maschinen weiterhin eher ergänzen als miteinander konkurrieren werden. Auch wenn sich die Fertigkeiten von Maschinen rasch entwickelten, sei die maschinelle Intelligenz immer noch unflexibel. „Der bemerkenswerteste Aspekt biologischer Intelligenz ist nicht ihre krude Leistungsfähigkeit, sondern ihre erstaunliche Vielseitigkeit.“ Und wie Frank Tipler sieht Hannay die Möglichkeit, dass eine künstliche Intelligenz mit Bewusstsein das Verschwinden allen Lebens auf der Erde überleben könnte.

Machen wir uns bereit!

Die interessanteste Frage in Bezug auf KI sei nicht, was wir von ihr halten, sondern was wir im Hinblick auf sie tun, so Max Tegmark, Physiker und Kosmologe am MIT. Deswegen sei es an der Zeit, nüchtern die gesellschaftlichen Auswirkungen der Technologie in Betracht zu ziehen und zugleich potenzielle Fallgruben zu vermeiden. „Das Aufkommen von wirklich denkenden Maschinen wird das wichtigste Ereignis in der Menschheitsgeschichte sein. Ob es das Beste oder das Schlimmste sein wird, was je der Menschheit zustieß, hängt davon ab, wie wir uns darauf vorbereiten, und die Zeit, mit dieser Vorbereitung anzufangen, ist jetzt.“ Man müsse keine superintelligente KI sein, um einzusehen, dass es dumm wäre, diesem Ereignis unvorbereitet entgegenzulaufen.

 

Das Buch:

John Brockman: Was sollen wir von Künstlicher Intelligenz halten? Die führenden Wissenschaftler unserer Zeit über intelligente Maschinen, Fischer, Frankfurt am Main 2017, 16,99 Euro

Der Herausgeber:

John Brockman ist ehemaliger Aktionskünstler, Herausgeber der Internetzeitschrift Edge und Leiter einer Literaturagentur in New York und hat bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht.

Autor: Redaktion: Zukunft: Kunde.
Bild: kentoh – Adobe Stock

 

Tags for this article Künstliche Intelligenz (52)

>53000

Mitarbeiter

29

Länder

>60

Sprachen

>12

Jahre dauern unsere Kundenbeziehungen durchschnittlich

500+

Auftraggeber weltweit

Wir sind global und immer nah bei Ihnen

Wir sind global

Wir glauben an Innovation. Hier finden Sie unsere neuesten Innovationen.

Neuigkeiten

25. September 2020

Majorel feiert zehnjähriges Jubiläum in Rumänien

Seit der Eröffnung des ersten Servicecenters in Brasov vor zehn Jahren, ist unser Team in Rumänien auf mehr als 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewachsen. Unser Standortnetzwerk vor Ort umfasst heute neben Brasov auch Standorte in Sibiu, Cluj-Napoca und Bukarest.

Weiterlesen

    Wir sprechen Ihre Sprache und freuen uns, von Ihnen zu hören. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf.