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Aktuelle Bücher vorgestellt: „Smart City“ von Hans-Jochen Vogel, Karlheinz Weißer und Wolf D. Hartmann

Aktuelle Bücher vorgestellt: „Smart City“ von Hans-Jochen Vogel, Karlheinz Weißer und Wolf D. Hartmann

Die Stadt mit Verstand
Die städtische Bevölkerung wächst: Bis 2030 werden fast 80 Prozent der Deutschen in Städten leben. Das ist eine große Herausforderung für die öffentliche Verwaltung – und gleichzeitig eine Chance, die vielfältigen Möglichkeiten der Digitalisierung für ein lebenswertes Miteinander zu nutzen. „Smart City: Digitalisierung in Stadt und Land“ wirft am Beispiel der Stadt Arnsberg einen Blick in die Zukunft des urbanen Lebens.

„In der Stadt findet die ‚Metamorphose unserer Welt’ statt, oder sie wirkt sich hier am stärksten aus. Hier müssen deshalb neue Lösungen erprobt und zur gelebten Praxis werden.“ Der ehemalige Bürgermeister und derzeitige Regierungspräsident von Arnsberg Hans-Josef Vogel weiß, wovon er spricht. Nirgendwo sonst zeigt sich diese Metamorphose – die radikale Transformation aller Lebensbereiche durch die Digitalisierung – so folgenreich wie in der Stadt. Darum hat die Verwaltung des knapp 80.000 Einwohner zählenden Arnsberg sich mit dem „Digitalen Forum Arnsberg“, dem Grünbuch „Digitale Agenda“ und weiteren Projekten zur digitalen Schule, zur Industrie 4.0, zur Telemedizin u.v.m. auf den Weg gemacht, die Wandlung zur „Smart City“ zu vollziehen. Gemeinsam mit Karlheinz Weißer, Geschäftsführer der Stadtwerke, und Prof. Dr. Wolf D. Hartmann, wissenschaftlicher Koordinator des campus Arnsberg, gibt er in seinem Buch einen umfassenden Überblick über die bereits durchgeführten oder geplanten Schritte auf dem Weg dorthin.

Lebenswert und digital

Was bedeutet „Smart City“ eigentlich? Die Autoren betonen die Verbindung der allumfassenden Digitalisierung mit Begriffen wie Intelligenz und Nachhaltigkeit – eben alles, was „unseren Alltag leichter macht und in Einklang mit Klima und Umwelt bringt. (…) Es ist mehr oder weniger immer das Ergebnis eines Prozesses, durch den urbane Regionen effizienter, lebenswerter und umweltfreundlicher werden.“ Die fortschreitende Konnektivität aller Bürger und Institutionen durch das Internet bedeutet, dass gestalterische Prozesse sich immer mehr im Spannungsfeld zwischen öffentlicher Verwaltung und individueller Teilhabe abspielen. Das erste Ziel der Smart City muss es daher sein, für einen flächendeckenden Netz-Zugang aller Stadtbewohner zu sorgen. Im Rahmen der „Digitalen Agenda“ setzt Arnsberg darum auf die Schaffung eines leistungsstärkeren Breitbands, freies W-LAN an beliebten Plätzen und andere Maßnahmen, um seine Bürger zu vernetzen. Denn Teilhabe setzt Zugang voraus. Darauf basieren alle weiteren Maßnahmen der Stadt.

Groß denken

Und diese Maßnahmen haben es in sich. Denn wo 80.000 Menschen zusammen leben, entstehen tagtäglich zahlreiche Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Vogel und seine Co-Autoren widmen sich klassischen Aufgabenfeldern der Stadtplanung wie Verwaltung, Verkehr, Handel, Bildung, Gesundheit, Wohnen und Abfallentsorgung. Sie zeigen auf, welche Schritte in der Stadt bereits eingeleitet wurden, und weisen auf die vielfältigen Möglichkeiten zukünftiger digitaler Gestaltungsmittel hin. Sie schrecken auch vor Entwicklungen nicht zurück, die sich im unmittelbaren Stadtbild noch nicht abzeichnen – etwa, wenn sie im Hinblick auf „Smart Mobility“ deutlich machen, dass perspektivisch selbstfahrende Autos den innerstädtischen Verkehr bestimmen werden. „75 Prozent der öffentlichen Infrastruktur, die unsere Städte spätestens im Jahr 2050 brauchen werden, sind heute noch gar nicht gebaut“, konstatieren die Autoren. Dieses Buch denkt groß, weiß aber auch, dass tiefgreifende Entwicklungen klein anfangen. Etwa, wenn es um lästige, zeitraubende Behördengänge geht, die durch die Einrichtung eines modernen, digitalen Bürger-Service bald der Vergangenheit angehören sollen. Oder um den verstärkten Zugang zu digitalisierten Bildungsinhalten.

Sharing is caring

Smarte Verkehrsplanung, die Verbindung von Online- und Offlinehandel durch innovative Auslieferungssysteme, Digitalisierung des Gesundheitswesens, intelligentes Bauen – stets geht es um nachhaltige Veränderungen zum Wohle der Bürger. Daneben ist ein großes Maß an Eigeninitiative gefragt. Smarte Stadtplanung bedeutet auch, soziokulturelle Trends wie „Sharing“ oder „Collaborative Consumption“ aufzugreifen, dazu zu ermutigen und zu unterstützen. Denn auch das gehört zur Stadt der Zukunft: „Aus anonymen Egoismen wird ein Miteinander.“ Die Digitalisierung bereitet den Boden für immer größere Reichweiten innerhalb dieser Bewegungen. Urbanität wird dadurch zunehmend von den Bewohnern selbst gestaltet.

Smart City 2030

Der Ausbau dieser Entwicklungen setzt den transparenten Umgang mit öffentlichen Daten voraus. Die Autoren betonen bei allem Zukunftsoptimismus vor allem auch die Schwierigkeiten, die sich im Bereich der Datensicherheit ergeben. Auch andere Probleme, die es zu überwinden gilt, bleiben nicht außen vor. Am Ende jedoch kommen Vogel, Weißer und Hartmann zu dem prophetischen Schluss: „Mit den neuen Technologien wird es gelingen, das Leben der Menschen zu verbessern, Klima- und Umwelt zu schützen, die öffentliche Sicherheit zu erhöhen und Chancengerechtigkeit sowie einen fairen Zugang zu Informationen zu realisieren.“ Arnsberg hat sich das Ziel gesetzt, im Rahmen einer großen Gemeinschaftsaktion aller Akteure bis 2030 zur Smart City zu werden. Die ersten Schritte sind gemacht.

Das Buch:

Hans-Josef Vogel, Karlheinz Weißer und Wolf D. Hartmann, „Smart City: Digitalisierung in Stadt und Land“, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2017, 78 Seiten, 29,99 Euro

Die Autoren:

Hans-Josef Vogel arbeitete nach dem zweiten juristischen Staatsexamen in Bonn, Münster, Dresden und seit 1993 als Stadtdirektor der Stadt Arnsberg. 1999 wählten ihn die Bürgerinnen und Bürger zum Bürgermeister der Stadt. In diesem Amt wurde er drei Mal bestätigt. Seit 2017 ist er Regierungspräsident von Arnsberg.

Karlheinz Weißer ist Geschäftsführer der Stadtwerke Arnsberg. Er ist Herausgeber und Autor mehrerer fachwissenschaftlicher Publikationen und gibt sein Wissen in Lehraufträgen an verschiedenen Hochschulen und bei Management-Kongressen sowie Fortbildungsveranstaltungen weiter.

Prof. Dr. Wolf D. Hartmann ist wissenschaftlicher Koordinator für die Entwicklung des campus Arnsberg. Er ist Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Mitinitiator der Alma Mater Europaea der Akademie.

Autor: Redaktion Zukunft. Kunde.
Bild: zapp2photo – AdobeStock

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