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Aktuelle Bücher vorgestellt: „Smarte Maschinen“ von Ulrich Eberl: Die Maschinen sind erwacht

Aktuelle Bücher vorgestellt: „Smarte Maschinen“ von Ulrich Eberl: Die Maschinen sind erwacht

Was ist der aktuelle Stand der Forschung auf dem Gebiet der Robotik und der künstlichen Intelligenz (KI)? Wie wird die künstliche Intelligenz unser Leben verändern? Und was passiert, wenn uns die Maschinen in puncto Intelligenz ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Wissenschaftsjournalist Ulrich Eberl in seinem Buch „Smarte Maschinen“.

Das künstliche Superhirn, das die Weltherrschaft an sich zu reißen droht, ist ein klassischer Science-Fiction-Topos, der beispielsweise in der Literatur bei Stanislaw Lem („Also sprach Golem“) oder in Filmen wie „2001: Odyssee im Weltraum“ auftaucht. Droht uns in der Realität bald ein ähnliches Szenario? Der Wissenschaftsjournalist Ulrich Eberl ist dieser Frage nachgegangen und hat für sein Buch „Smarte Maschinen“ mit führenden Wissenschaftlern und Technikern gesprochen. Angesichts der jüngsten Etappensiege der Maschinen über den Menschen, vom gedemütigten Schachweltmeister bis zu den Triumphen des Google-Programms AlphaGo im asiatischen Strategiespiel Go, der rasant zunehmenden Rechenleistungen und der Vernetzung der Computersysteme, autonom fahrender Autos, Lieferdrohnen und Pflegerobotern ist diese Frage naheliegend.

Alles lässt sich durch Künstliche Intelligenz nachbilden

Eberls erstes Fazit ist ernüchternd: Es gibt keine menschliche Fähigkeit und Eigenschaft, die sich prinzipiell nicht künstlich nachbilden lässt. Dies zeigt bereits der Einsatz von Robotern in der Industrie, wo sie nahezu fehlerfrei produzieren, sortieren, messen oder analysieren – in hoher Stückzahl oder als Unikat. Ein Beispiel für eine fast vollständig automatisierte Fabrik ist eine Anlage im mexikanischen Ciudad Juárez, wo die kalifornische Firma Align Technology täglich 80.000 transparente Zahnschienen herstellt und keine einzige der anderen gleicht. Es ist quasi die Automatisierung der Handarbeit, die sich aber nur durch einen enormen Roboter-Einsatz, modernste Technik wie 3D-Drucker und eine durchgängige Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette bewerkstelligen lässt. Eberl liefert noch viele weitere Beispiele, wie Roboter und intelligente Computersysteme heute genutzt werden und welche Chancen sich dadurch eröffnen. Beispielsweise im Smart Home, dem Smart Car und dem Smart Grid, die in Zukunft Teil einer Smart City sein können, wie sie derzeit in der Seestadt Aspern im 22. Wiener Bezirk entsteht.

Eckstein einer wirtschaftlichen Wachstumsstrategie

Der Autor ist begeistert von den Möglichkeiten der Technik, vor allem wenn er den tanzenden Honda-Roboter Assimo oder seine erste Berührung des Geminoiden F beschreibt und feststellt, dass Japan entschlossen ist, Roboter zu einem Eckstein seiner wirtschaftlichen Wachstumsstrategie zu machen. Auch internationale Firmen wie Google und Tesla (USA) oder Mercedes-Benz und Kuka (Deutschland) mischen dabei mit und entwickeln Maschinen für das Transportwesen und die Logistik mit autonom fahrenden Autos, Zügen oder Gabelstablern. Entsprechende Entwicklungen gibt es auch im Gesundheitswesen: Pflege- und Serviceroboter werden bald zeigen, wie maschinelles Lernen, Robotik und künstliche Intelligenz immer mehr zusammenwachsen.

Routinejobs werden automatisiert

Doch wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten: Für welche Aufgaben und Jobs wird der Mensch noch gebraucht, wenn sich fast jede seiner Fähigkeiten künstlich nachbilden lässt? Von der Automatisierungswelle sind Routinejobs, ob am Fließband oder im Büro, in der Verwaltung, Logistik oder im Einzelhandel betroffen. Aber auch Handwerker wie zum Beispiel Maurer werden durch Bauroboter abgelöst und Journalisten von Textrobotern unterstützt. Stehen wir also vor einer neuen Ära der Massenarbeitslosigkeit? Keineswegs! Wenn die Routinearbeiten wegfallen, bedeutet dies auch, dass die komplexen und schwierigen Tätigkeiten den Menschen vorbehalten bleiben. Allerdings werden die smarten Maschinen, so das McKinsey Global Institute, im nächsten Jahrzehnt auch den Inhalt und die Ausrichtung der Tätigkeit von 110 bis 140 Millionen Wissensarbeitern weltweit verändern. Was bedeutet dies für Deutschland? Nach heutigem Stand der Technik üben etwa zwölf Prozent der Beschäftigten in Deutschland – also fünf Millionen Menschen – Tätigkeiten aus, die automatisiert werden können.

Herausforderung und Chance

Doch bedeutet diese Entwicklung auch, dass Roboter und Computersysteme in den kommenden Jahrzehnten die Menschen auf allen Spielfeldern der Intelligenz überflügeln werden? Die Antwort von Eberl klingt beruhigend: „Smarte Maschinen werden unsere Welt bestimmen – aber nicht uns.“ Die intelligenten Maschinen werden uns überall begegnen, sie werden Arbeitsplätze vernichten und neue schaffen, sie werden uns unter die Arme greifen und intellektuell herausfordern, weil sie uns darüber nachdenken lassen, wer wir Menschen sind und was unsere Bestimmung ist. Den Jackpot bei dieser Entwicklung werden diejenigen abräumen, denen es gelingt, maschinelle Lernverfahren, künstliche Intelligenz und Robotik klug zu kombinieren. Deswegen kommt Eberl zu dem Schluss: „Intelligente Maschinen sind eine neue Herausforderung. Aber auch eine Chance. Wenn wir es richtig machen, werden sie uns weit mehr nützen als schaden.“ Schließlich hat das menschliche Gehirn gegenüber jeder künstlichen Intelligenz einen großen Vorteil: Die leistungsfähigsten Supercomputer der Welt, Titan in den USA und Tianhe-2 in China, benötigen für die Speicherkapazität und Rechengeschwindigkeit eines menschlichen Gehirns zwischen 8 und 18 Megawatt, was dem durchschnittlichen Energiebedarf einer 20.000-Einwohner-Stadt in Deutschland entspricht. Das menschliche Gehirn benötigt dafür 20 Watt!

 

Das Buch:

Ulrich Eberl, Smarte Maschinen. Wie Künstliche Intelligenz unser Leben verändert, Carl Hanser Verlag, München 2016, 24 Euro

Der Autor:

Ulrich Eberl ist einer der bekanntesten deutschen Wissenschafts- und Technikjournalisten. Er promovierte in Biophysik, arbeitete für Daimler, leitete 20 Jahre lang bei Siemens die Innovationskommunikation und gründete das Zukunftsmagazin „Pictures of the Future“. Blog: zukunft2050.wordpress.com; auf Twitter: @UlrichEberl1

Autor: Redaktion Zukunft. Kunde.
Bildquelle: rtype – Fotolia/Adobe Stock

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