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Beweglich in die Zukunft: Neue Organisationsstrukturen für Unternehmen

Beweglich in die Zukunft: Neue Organisationsstrukturen für Unternehmen

Die Mehrheit der deutschen Unternehmen ist nach wie vor klassisch organisiert und setzt auf hierarchische Strukturen. Diese regeln klar, wer für was zuständig ist und welche Befugnisse er hat. Sie verhindern aber auch die Flexibilität und Geschwindigkeit, die zukünftig überlebensnotwendig sind. Welche Weichen müssen Unternehmen heute stellen, um morgen noch erfolgreich zu sein?

Abgesehen von den Herausforderungen ihrer jeweiligen Branche setzen zwei Entwicklungen Unternehmen unter Handlungsdruck: die Digitalisierung und der demografische Wandel. Was das bedeutet und wie der Weg in die Zukunft aussehen kann, zeigen Huong Do Thi und Maria Lübcke vom 2b AHEAD ThinkTank in ihrer Trendanalyse „Das bewegliche Unternehmen 2030“.

Die Digitalisierung revolutioniert die Lebens- und Arbeitswelten in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis Radio und Fernsehen 50 Millionen Nutzer erreichen – beim Internet waren es vier Jahre, Facebook meldete diese Nutzerzahl nach einem Jahr und WhatsApp nach zwei Monaten. Etablierte Anbieter von Produkten und Leistungen sehen sich neuen Wettbewerbern gegenüber, die sie mit digitalen Geschäftsmodellen angreifen. Und nicht zu vergessen: Kunden sind dank der digitalen Vernetzung immer besser informiert und immer unabhängiger von bestimmten Anbietern. Sie sind heute schon daran gewöhnt, bequem und sofort auf alles Mögliche zugreifen zu können, und werden sicherlich nicht anspruchsloser werden. All das stellt Unternehmen vor die Herausforderung, flexibler zu agieren und sich schneller an Veränderungen anzupassen – was hierarchische Strukturen aber kaum zulassen.

Die zweite Entwicklung ist der oft zitierte demografische Wandel und der damit verbundene Fachkräftemangel. In weniger als zehn Jahren wird es auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht mehr genügend Arbeitskräfte geben, verschiedene Branchen spüren den Mangel schon heute. Damit müssen Unternehmen zunehmend neue Wege beschreiten, um ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben oder einer zu werden. Dafür ist unter anderem ein modernes Arbeitsumfeld nötig, das ein mobiles und flexibles Arbeiten ermöglicht und damit die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf verbessert.

Von der hierarchischen Pyramide zum beweglichen Unternehmen

Um eine Unternehmensorganisation zu transformieren, muss sich zuerst das Mindset verändern. Denn in Zukunft müssen Unternehmen ein Gleichgewicht zwischen vier Gegensätzen finden:

1) Hierarchien versus Netzwerke

Das Unternehmen der Zukunft ist nicht vertikal nach Hierarchien organisiert, sondern horizontal als Netzwerk. Teams formieren sich temporär für bestimmte Projekte, Entscheidungen werden radikal dezentralisiert und situations- bzw. projektbedingt von den Teams getroffen. Der Abbau traditioneller Strukturen fördert die interdisziplinäre Zusammenarbeit von internen und externen Experten. Auch die Aufgaben, die ein Mitarbeiter in einem Team übernimmt, sind flexibel: Je nach Expertise kann ein Mitarbeiter in einem Projektteam führen und in einem anderen geführt werden. Diese „Netzwerkdenke“ bricht nicht nur klassische Unternehmensabteilungen auf, sondern macht sogar Unternehmensgrenzen offener. Das ist positiv, denn viele Unternehmen können vernetzte Produkte aufgrund der hohen Komplexität nicht allein realisieren. Kooperation – intern sowie extern – wird also zu einem Erfolgsfaktor.

 

2) Profit versus Sinnhaftigkeit

In der Vergangenheit haben sich Mitarbeiter oft aus finanziellen Gründen oder aufgrund der Sicherheit, die ein fester Arbeitsplatz mit sich bringt, an ein Unternehmen gebunden. Dieser Mechanismus verliert zunehmend an Bedeutung. Das bedeutet nicht, dass Menschen in Zukunft pauschal auf Gehaltserhöhungen verzichten werden. Aber sie werden verstärkt darauf achten, ob und wie weit die Ziele des Unternehmens mit ihren eigenen übereinstimmen und sie in ihrer Arbeit einen Sinn sehen. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie eine Vision – ein positives Bild einer erstrebenswerten Zukunft – und eine Mission – die Art und Weise, wie sie ihre Vision umsetzen wollen – formulieren müssen. An der Vision kann ein Mitarbeiter erkennen, ob seine Ziele und die des Unternehmens zueinander passen. Und an der Mission kann er überprüfen, ob er mit seiner Arbeit dazu beiträgt, diese Ziele zu erreichen.

3) Kontrolle versus Befähigung

Auch die Art und Weise, wie Unternehmen die Performance von Teams messen, wird sich verändern. Denn für Netzwerkorganisationen sind OKRs (Objectives and Key Results) deutlich besser geeignet, als die bisher üblichen KPIs. Die Objectives legen das zu erreichende Ziel fest, die Key Results definieren, was zur Zielerreichung nötig ist. Diese Methode fördert den Austausch und die Transparenz innerhalb des Unternehmens. Sie trägt auch dazu bei, Mitarbeitern mehr Verantwortung zu übertragen, sodass sie selbständig Entscheidungen treffen und Maßnahmen ergreifen können. Zur Befähigung der Mitarbeiter gehört es auch, ihre persönliche Weiterentwicklung zu fördern. Denn die Geschwindigkeit, mit der sich die Arbeitswelt verändert, wird weiter zunehmen. Die Möglichkeit zum lebenslangen Lernen hilft dabei, hier Schritt halten zu können.

4) Planung versus Experimente

Der Abschied von der Hierarchiepyramide ist auch mit einer neuen Herangehensweise an Projekte und Prozesse verbunden. Statt mit Hilfe von kurz-, mittel- und langfristigen Zielen zu planen, werden Unternehmen experimentieren müssen: Zunächst werden Probleme identifiziert. Dann werden Lösungsideen gefunden, getestet und umgesetzt, weiterentwickelt oder verworfen, um einen neuen Ansatz zu testen. Das erlaubt eine höhere Flexibilität und Entwicklungsgeschwindigkeit.

Der Einsatz von Technologie

Aktuell werden viele sich wiederholende Tätigkeiten mit Hilfe von Technologie automatisiert. In Zukunft wird Technologie aus dieser Unterstützerrolle heraustreten und mit künstlicher Intelligenz auch Aufgaben übernehmen, die heute nur von Menschen erledigt werden können. Teams, die aus Menschen und Maschinen bestehen, werden Normalität werden. In diesen Teams werden Maschinen bei vorhersehbaren Abläufen auch Entscheidungen treffen, während die menschlichen Mitarbeiter im Fall von neuen, komplexen und unvorhersehbaren Situationen reagieren müssen. Auf dieses Miteinander von Mensch und Maschine müssen die Mitarbeiter vorbereitet werden, damit sie Technologien wie künstliche Intelligenz als Bereicherung ihres Arbeitslebens empfinden statt als Bedrohung.

Es ist nicht wenig, was in diesem Zukunftsbild auf Unternehmen zukommt. Aber Unternehmen, die an traditionellen Strukturen festhalten, werden der Innovationsgeschwindigkeit der Digitalisierung und den veränderten Ansprüchen der Mitarbeiter in Zukunft nicht mehr gerecht werden können. Sie sollten sich daher den Herausforderungen stellen, die die Orientierung an den Mitarbeitern und der Einsatz von Technologie mit sich bringen. Denn genau hier liegen auch ihre Chancen.

Die komplette Trendanalyse „Das bewegliche Unternehmen 2030: Wie Unternehmen ihre Organisation zukunftssicher gestalten und entwickeln“ ist hier erhältlich.

 

 

Autor: Redaktion Zukunft. Kunde.
Bild: © vectorfusionart – AdobeStock

 

 

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