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Fraunhofer-Zukunftsstudie über fünf Lebenswelten: Unser Alltag im Jahr 2027

Fraunhofer-Zukunftsstudie über fünf Lebenswelten: Unser Alltag im Jahr 2027

Welche Trends werden in zehn Jahren relevant für unser Leben sein? Welche Technologien werden unseren Alltag verändern – und wie? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich die Zukunftsstudie 2027 #ichinzehnjahren des Fraunhofer Instituts. Sie hat fünf Bereiche des Alltags genauer unter die Lupe genommen.

„Arbeit“, „Information und Medien“, „Individuelle Lebensgestaltung“, „Mensch und Umwelt“ sowie „Konsum“ – das sind die fünf Lebenswelten, die in der Fraunhofer-Zukunftsstudie genauer betrachtet werden. Knapp 3.000 Menschen ab 14 Jahren haben daran teilgenommen und Zukunftsthesen bewertet. Neben der detaillierten Auswertung der Antworten soll ein kurzes Zukunftsbild für jede Lebenswelt zeigen, was wichtig wird, und so eine Vorstellung vom möglichen Alltag im Jahr 2027 vermitteln.

1. Der Arbeitsalltag der Zukunft

Die digitale Transformation bietet das Potenzial, Arbeitsplätze tiefgreifend zu verändern. Aber wie stehen die Berufstätigen dazu? Sie sehen Videochats, Authentifizierungstechnologien und Prozessautomatisierung als wesentliche Bestandteile des Arbeitsalltags von morgen. So halten es 68 Prozent der Studienteilnehmer für wahrscheinlich, dass Videochats und erweiterte Realität in zehn Jahren Vor-Ort-Termine weitgehend ersetzen. 67 Prozent wollen sich in Zukunft durch Gesichts- und Stimmerkennung authentifizieren, statt Passwörter manuell einzugeben. Bedenken, dass die biometrischen Daten missbraucht werden könnten, gibt es fast gar nicht – im Gegenteil, die Befragten sind von diesen Technologien überwiegend begeistert. Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, dass Routineabläufe automatisiert werden. Dass digitale Assistenten – die Nachfolger von Alexa, Cortana und Siri – die Informationsflut im Job filtern und dem Beschäftigten sagen werden, was er wissen oder tun muss, glauben aber nur 40 Prozent der Befragten.

Was im Arbeitsalltag wichtig wird:

  • Starre Arbeitszeiten und feste Arbeitsorte verschwinden.
  • Die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern oder auch mit Kunden wird oft virtuell stattfinden.
  • Je nach Arbeitsumfeld unterstützen Roboter, Bots und digitale Assistenten die Menschen.
  • Algorithmen wählen Mitarbeiter aus.
  • Die Arbeit wird selbstorganisiert und mit Spaß durchgeführt, der Arbeitgeber kümmert sich um Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiter.

2. Die Nutzung von Informationen und Medien

Digitale Medien sind schon heute längst Teil des Alltags und ermöglichen es jedem Menschen, Informationen zu veröffentlichen und zu teilen. Wie werden wir in Zukunft Informationen bekommen und produzieren? Die Entwicklung hin zum zeitversetzten Fernsehen und zur individuellen „Programmgestaltung“ wird nach Ansicht der Befragten weitergehen: 66 Prozent sagen, dass sie in Zukunft dann eine Sendung anschauen werden, wann es ihnen passt. 60 Prozent geben an, dass sie sich in Medien künftig nur noch die Inhalte anzeigen lassen werden, die für sie relevant sind. Dabei ist vielen von ihnen bewusst, dass ein ganzheitlicher Blick auf Sachverhalte nur durch die Kenntnis verschiedener Perspektiven möglich ist. 48 Prozent möchten in Zukunft kein öffentliches Onlineprofil mehr haben. Die Befragten äußern sich vor allem aus Daten- und Sicherheitsaspekten skeptisch zu sozialen Medien und betonen den Verlust realer sozialer Netzwerke. Gleichzeitig heben sie aber die zukünftige Bedeutung beruflicher Netzwerke wie Xing und LinkedIn für das Berufsleben hervor.

Was bei Informationen und Medien wichtig wird:

  • Es ist weitgehend akzeptiert, dass für gut recherchierte Informationen bezahlt werden muss.
  • Ausflüge in virtuelle Welten sind eine beliebte Freizeitbeschäftigung.
  • Augmented Reality hat sich als Unterstützung im Geschäftsumfeld durchgesetzt.
  • Die Spracheingabe von Texten und Informationen ist weit verbreitet.
  • Die Steuerung von Objekten mittels Gedanken wird zur neuen Interaktionsmöglichkeit.

3. Die individuelle Lebensgestaltung

Wie beeinflusst die Digitalisierung die persönliche Lebensgestaltung in der Zukunft? 71 Prozent der Studienteilnehmer haben vor, die Datenvernetzung zu nutzen, um beispielsweise Stromverbrauch und Heizung zu optimieren. Fast ebenso viele Befragte gehen davon aus, dass sich die persönliche Cloud durchsetzen wird und ihnen ihre Daten – Fotos, Musik etc. – online überall zur Verfügung stehen. Dementsprechend wichtig ist das Thema Datensicherheit: 68 Prozent würden für digitale Sicherheit in Zukunft Geld bezahlen. Der Nutzen digitaler Möglichkeiten für die eigene Gesundheit wird skeptischer gesehen: Nur 35 Prozent der Befragten können sich vorstellen, in Zukunft ein Wearable zu tragen, das ihre Gesundheitsvorsorge und Krankenbehandlung optimal unterstützt. 29 Prozent glauben, dass viele ärztliche Leistungen durch Sensoren, virtuelle Arztbesuche und künstliche Intelligenz ersetzt werden.

Was für die individuelle Lebensgestaltung wichtig wird:

  • Gemeinsam genutzte autonome Fahrzeuge ersetzen das eigene Auto.
  • Autonome und von Menschen gesteuerte Fahrzeuge nehmen am Straßenverkehr teil.
  • Roboter unterstützen Pflegetätigkeiten.
  • Für Datensicherheit geben die Menschen Geld aus.
  • Gesundheitsleistungen werden mithilfe von Sensoren, virtuellen Arztbesuchen und künstlicher Intelligenz weiterentwickelt.

 

4. Mensch und Umwelt

Was wird für die Menschen im Jahr 2027 persönlich wichtig werden? Wie werden sie mit ihrer Umwelt interagieren? Drei Viertel der Befragten gaben an, dann verstärkt auf ihre Gesundheit zu achten, zum Beispiel durch regelmäßige Check-ups oder bewusste Ernährung. Und fast zwei Drittel gehen davon aus, dass auch wichtige Post nur noch digital verschickt werden wird. Die bereits angesprochenen neuen Technologien, Arbeitsformen und Mobilitätslösungen werden nach Ansicht von 58 Prozent dazu führen, dass es immer unwichtiger wird, ob man auf dem Land oder in der Stadt wohnt. Auch das lebenslange Lernen wird ortsunabhängiger: Die Hälfte der Befragten hat vor, künftig Onlineangebote für ihre Weiterbildung zu nutzen.

Was in der Lebenswelt „Mensch und Umwelt“ wichtig wird:

  • Technik schafft neue Freiräume und fügt sich im Idealfall nahtlos ein.
  • Gemeinschaft und Zusammenleben stehen im Vordergrund.
  • Bürgerbeteiligungen durch Abstimmung im Internet sind alltäglich.
  • Im Alter bleibt man aktiv – auf allen Ebenen.
  • Gesunde Ernährung spielt eine wichtige Rolle.

5. Individueller, selbstbestimmter Konsum

Digitale Einkaufszentren und E-Commerce haben den Einkaufsprozess bereits heute tiefgreifend verändert. Wie sieht der Konsum in zehn Jahren aus? Eine wichtige Rolle wird auch hier der Sicherheitsaspekt spielen, denn die Absicherung der elektronischen Geräte wird für 82 Prozent der Teilnehmer relevant sein. Kein Wunder: 58 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sie mobil oder online – also über ihre Devices – bezahlen werden und Bargeld keine wichtige Rolle mehr spielen wird. Die Verbraucher planen, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, um Produkte zu individualisieren (55 Prozent) oder Kleidung vor dem Onlinekauf virtuell anzuprobieren (44 Prozent).

Was beim Konsum wichtig wird:

  • Die Individualisierung von Gebrauchsgegenständen.
  • 3D-Druck und damit verbundene Dienstleistungen.
  • Künstliche Intelligenz unterstützt beim Schutz der Daten, indem das jeweilige Datenfreigabeverhalten des Nutzers erlernt wird.
  • Bargeldloses Zahlen wird bei Kleinstbeträgen überall genutzt, Bargeld spielt in Bereichen, in denen die Anonymität beim Bezahlen geschätzt wird – z.B. im medizinischen Bereich – noch eine Rolle.

Wie bleiben die Unternehmen zukunftsfähig?

Was bedeuten die Ergebnisse der Studie für Unternehmen, die sich heute für die Veränderungen von morgen aufstellen möchten? Zum Beispiel, dass sie sich radikal an den Anforderungen ihrer Kunden orientieren müssen. Denn diese erwarten – ebenso wie die Mitarbeiter der Unternehmen – bessere Leistungen auf Basis neuer Technologien. So können Routineprozesse oder -aufgaben an Systeme mit künstlicher Intelligenz übertragen werden, um das Serviceangebot für Kunden auszuweiten und Mitarbeitern Freiraum für komplexere Aufgaben zu schaffen.

Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern ermöglichen, den kulturellen Wandel mitzugehen, den die Digitalisierung mit sich bringt. Agilität, Kundenorientierung und Kreativität sind Werte, die in der Unternehmenskultur verankert werden müssen. Unternehmen aus klassischen Industrien gründen dafür Digitaleinheiten. SAP hat 2013 sogenannte AppHäuser ins Leben gerufen, in denen das Unternehmen gemeinsam mit Kunden arbeitet, die aber auch Raum für Start-ups bieten.

Anstatt die Methoden von Start-ups zu kopieren, wie heute oft der Fall, könnten Unternehmen also künftig verstärkt mit ihnen kooperieren – auch wenn es dabei einige Hürden zu überwinden gilt, siehe den Artikel Digitale Disruption. Das Versicherungsunternehmen Axa beispielsweise tritt bei seinem Innovation Campus gleichzeitigt als Investor und Versicherer für Start-ups auf.

Die Vernetzung und Offenheit, die innerhalb von Unternehmenm gefordert ist, kann auch über die Firmengrenzen hinausgehen: Um Start-ups Zugang zu Technik-Know-how aus dem Silicon Valley und deutscher Hardware-Kompetenz zu ermöglichen, hat der Automobilkonzern Daimler mit der „Startup Autobahn“ eine Innovationsplattform gestartet, die sprichwörtlich offen ist – einer der Partner ist Konkurrent Porsche.

Die Zukunftsstudie ist hier erhältlich: https://www.e-business.iao.fraunhofer.de/de/publikationen/zukunftsstudie.html

Autor: Redaktion Zukunft. Kunde.
Bild: enisismagilov – Adobe Stock

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