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Der Versandhändler Amazon drängt auf den Versicherungsmarkt: Einkaufserlebnis Versicherungen

Der Versandhändler Amazon drängt auf den Versicherungsmarkt: Einkaufserlebnis Versicherungen

Der Versicherungsmarkt ist sehr komplex und oft undurchsichtig. Das wissen besonders jene Kunden, die möglichst unkompliziert eine Versicherung abschließen möchten. Für sie könnte sich bald einiges ändern. Denn der Versandhändler Amazon will als neuer Player den Markt aufmischen.

Der Online-Gigant aus Seattle hat sich längst vom Internet-Buchhändler zum Anbieter breit gestreuter Waren und Dienstleistungen entwickelt. In Deutschland interessierte er sich zuletzt für den Apothekenmarkt und die Lebensmittelbranche. Versicherungen hat der Versandhändler bislang lediglich in Form produktbezogener Policen angeboten: Nutzer, die beispielsweise einen Elektroartikel kaufen, können den dazugehörigen Schutz gleich mit erwerben. Das machen Partner aus der Versicherungsbranche wie Ergo oder die britische London General für Amazon möglich und hat nicht für schlaflose Nächte in den Chefetagen großer Versicherungsgesellschaften gesorgt. Das könnte sich bald ändern. Denn seitdem der Online-Riese in Branchennetzwerken wie Linkedin forciert nach Versicherungsexperten sucht, die sich „am Start eines neuen Unternehmens beteiligen wollen“, ist die Branche hellhörig geworden. Offenbar hat Amazon nichts Geringeres geplant, als „disruptiv das zu verändern, wie Policen gekauft und verkauft werden“.

Vorteil Amazon

Bahnt sich da eine kleine Revolution an? Dass Amazon es ernst meint mit seinem großen Ziel, hat das Unternehmen klar definiert: „Wir haben ehrgeizige Pläne für erhebliches Wachstum in unseren bestehenden Märkten und werden neue, innovative Produkte auf den Markt bringen.“ Vieles spricht dafür, dass das gelingen könnte: So besitzt das Unternehmen überdurchschnittlich viele exakte Daten seiner Kunden, deren Einkaufsgewohnheiten und häuslichen Verhältnissen. Ein klassischer Versicherungsvertreter muss sich diese Informationen erst mühsam beschaffen. Zudem ist das Vertrauen in den Online-Händler groß und seine Erfahrungen mit einer unkomplizierten Kaufabwicklung ein echtes Plus. Auch Transparenz und Infrastruktur sprechen für Amazon, wie Patricia Davies, Versicherungsanalystin bei der Londoner Analysefirma Global Data, gegenüber der Süddeutschen Zeitung betont: „Amazon bietet klare, transparente Dienstleistungen wie die Möglichkeit, ein Paket nachzuverfolgen, die Lieferung am nächsten Tag, eine eindeutige Rückgabepolitik und die Kundenbesprechungen von Produkten.“ In Summe könnte der Vorstoß von Amazon in den Versicherungsmarkt also eine reale Gefahr für die klassischen Anbieter darstellen. „Das wird eine echte Bedrohung“, stellt Davies fest.

Im Fokus: die Digitalisierung der Customer Journey

Das dürfte nur der Anfang sein. Denn auf lange Sicht wird es um mehr gehen als nur um das Verkaufen von Verträgen. Auch in der Versicherungsbranche gerät die Digitalisierung der Customer Journey immer mehr in den Fokus der Anbieter. Von Apps, die im Schadensfall eine einfache Abwicklung ermöglichen, über fortgeschrittene Automatisierung mithilfe künstlicher Intelligenz bis hin zur Kommunikation mit Chatbots und Video-Chats reicht die Bandbreite an Konkurrenten für den altgedienten Versicherungsvertreter. Das hat auch die Branche erkannt. Allianz-Chef Oliver Bäte stellte kürzlich fest: „Natürlich brauchen wir erheblich mehr Innovationen. Das Problem vieler etablierter Konzerne ist die Kultur. In den Vorstandsetagen sitzen wenige sogenannte Digital Natives.“ Zwar hatten sich die großen Gesellschaften nach einer gewissen Gewöhnungsphase zuletzt durchaus damit arrangiert, Insurtech-Startups als Partner zu akzeptieren. Doch mit dem bevorstehenden Einstieg Amazons im großen Stil sieht man sich nun einem veritablen Kulturschock gegenüber.

Die Versicherung im Warenkorb

Ob der Coup gelingt, bleibt abzuwarten. Denn es gibt auch zahlreiche offene Fragen. Zum Beispiel ist unklar, wie Amazon die Flut an Konditionen komplizierter Versicherungspolicen möglichst nutzerfreundlich anbieten will, ohne dabei das möglichst simple Einkaufserlebnis einzuschränken. Auch die Vielzahl unterschiedlicher Rahmenbedingungen auf den verschiedenen internationalen Märkten dürfte ein kniffliges Problem darstellen. Sollte es der Online-Riese aber schaffen, diese hohen Hürden zu nehmen, dann könnten neben Buchbestsellern, Schnupfensprays und Lebensmitteln bald auch Hausrat- und Haftpflichtversicherungen im Warenkorb liegen.

Autor: Redaktion Zukunft. Kunde.
Bild: thodonal – AdobeStock

Tags for this article Customer Experience (41) Digitalisierung (157) Versicherungen (18)

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