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Die Automobilbranche und die Digitalisierung: Prozessor- statt PS-Power

Die Automobilbranche und die Digitalisierung: Prozessor- statt PS-Power

Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran und revolutioniert immer mehr Industrien und Geschäftsmodelle. Nach der Musikindustrie, der Verlagsbranche und TV-Sendern müssen sich inzwischen auch Automobilhersteller verstärkt mit den Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, auseinandersetzen. Wird die Vernetzung eines Autos bald schon wichtiger sein als sein Verbrauch?

Das vernetzte Auto ist schon längst keine ferne Zukunftsvision mehr. Ob Audi, BMW, Ford, Mercedes-Benz, Opel, Peugeot, Renault oder andere – fast alle Autobauer bieten inzwischen umfangreiche digitale Services, um ihren fahrenden Kunden das Leben einfacher, sicherer und komfortabler zu machen. Das Auto liest E-Mails vor, tauscht mit anderen Fahrzeugen Informationen über die Verkehrslage aus, berechnet in Echtzeit die ideale Fahrstrecke oder übermittelt bei einem Unfall automatisch die aktuelle Position. Und in den Fällen, in denen nur ein Mensch weiterhelfen kann, baut es eine direkte Verbindung zum Kundenservice auf. Spontan ein Hotelzimmer suchen und buchen, während man unterwegs ist? Kein Problem, der Concierge-Service kümmert sich darum und schickt die Hoteladresse direkt auf das Navigationsgerät. In Zukunft sind auch kurzfristige und zeitlich begrenzte Optionen denkbar – die Technik macht’s möglich. Zum Beispiel könnte ein vorübergehendes Chiptuning mehr PS-Power für den Campingausflug in die Berge liefern. Ein zeitlich begrenztes Musikstreaming-Angebot sorgt dabei für aktuelle Lieblings-Hits im Autoradio.

Derzeit lassen sich die meisten Anbieter Connected Services noch teuer bezahlen, schon bald werden sie zur Grundausstattung eines Fahrzeugs gehören. Denn die nachwachsenden Käufergenerationen erwarten mehr als ein paar USB-Buchsen im Armaturenbrett.

Hersteller profitieren von digitalen Services

Die zunehmende Vernetzung des Autos lohnt sich aber nicht nur für die Käufer, sondern auch für die Hersteller. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Erstens liegt darin ein großes wirtschaftliches Potenzial. Im vergangenen Jahr wurden mit kostenpflichtigen digitalen Services rund um das Auto weltweit fast 192 Millionen US-Dollar umgesetzt. Bis 2021 wird dieser Umsatz nach Schätzungen auf 1,9 Milliarden US-Dollar steigen (Quelle: Statista).

Viele Services werden jedoch kostenlos sein. Denn – und das ist der zweite Nutzen – sie werden die Kosten für die Autohersteller senken und die Produktentwicklung verbessern. Schon heute sammeln Autos unzählige Daten, die für die regelmäßige Inspektion wichtig sind. Dafür müssen sie allerdings noch vor Ort in einer Werkstatt ausgelesen werden. In Zukunft werden die Sensoren im Auto von sich aus auf mögliche Probleme hinweisen. Denn lange bevor technische Geräte kaputtgehen, verändern sich charakteristische Eigenschaften: Sie machen andere Geräusche, vibrieren oder laufen heiß.

Durch die Meldungen der Sensoren werden zukünftig größere Schäden und damit kostspielige Reparaturen in der Garantiezeit vermieden. Die Hersteller werden dann Software-Updates automatisch aufspielen, ohne die Fahrzeuge in die Werkstatt holen zu müssen. Auf diese Weise erhalten sie umfassende Informationen über die Nutzung oder Nichtnutzung neuer Funktionen und über typische Modellkrankheiten, die somit deutlich schneller behoben werden können.

Drittens verändern die Digitalisierung und die neuen Kommunikationskanäle die Interaktion zwischen Händlern, Käufern und Herstellern. Durch die Connected Services findet erstmals eine intensive Interaktion zwischen Herstellern und Endkunden statt, ohne Umweg über die Händler. Mit den Daten aus den Fahrzeugen und dem vernetzten Auto als direktem Kommunikationskanal zum Fahrer können Automobilhersteller Kundenservice und -management verbessern. Wenn das Auto meldet, dass die Reifen abgefahren sind, landen Angebote über neue Räder direkt auf dem Display im Armaturenbrett. Oder sie können dem Fahrer ein Sicherheitspaket anbieten, das genau auf seine persönliche Fahrzeugnutzung zugeschnitten ist.

Und viertens können die Daten aus dem vernetzten Auto dabei helfen, für die Fahrer einer Stadt oder Region passende Car-Sharing-Angebote zusammenzustellen. Auch das ist für die Hersteller ein interessantes Feld, in dem die Nachfrage stetig wächst: Rund sieben Millionen Carsharing-Kunden gab es 2015 weltweit, 2025 werden es nach Prognosen des Beratungsunternehmens Frost & Sullivan circa 36 Millionen Nutzer sein, die sich dann 427.000 Fahrzeuge teilen.

Umfangreiche Datenanalysen sind entscheidend

Die Herausforderung für die Automobilhersteller wird zukünftig darin liegen, die Daten nicht nur zu sammeln, sondern auch aufzubereiten und zu analysieren. Schaffen sie das nicht, überlassen sie das Steuer branchenfremden Wettbewerbern, die nichts über Autos, aber sehr viel über Datennutzung wissen. Toyota arbeitet seit kurzem mit dem Telekommunikationsanbieter NTT Data und Microsoft zusammen. Mit NTT Data möchte der japanische Konzern in Zukunft Lösungen entwickeln, um Staus und Unfälle zu reduzieren und Fahrer durch künstliche Intelligenz zu unterstützen. Microsoft lizenziert einen Großteil seiner Fahrzeugtechnologien an Toyota, vom Betriebssystem über Stimmenerkennung und Gestensteuerung bis zur IT-Sicherheit.

Außerdem haben Toyota, Ford, Mazda, Groupe PSA, Suzuki und Subaru ein Konsortium gegründet, das die Entwicklung von Standards für Apps in Autos beschleunigen soll. So wollen sie verhindern, dass Internetkonzerne wie Apple und Google sie beim vernetzten Auto auf den Beifahrersitz verweisen. Denn die beiden IT-Giganten haben mit iOS CarPlay oder Android Auto bereits passende digitale Schnittstellen im Angebot.

Das Auto wird zum Assistenten

Peugeot hat seine Vorstellung vom Auto der Zukunft Ende Februar auf dem Mobile World Congress in Barcelona präsentiert: Die Studie „Instinct“ verfügt über künstliche Intelligenz und ist mit der Cloud des Fahrers sowie vernetzten Gegenständen im Internet der Dinge verbunden. So wird das Auto zum persönlichen Assistenten. „Instinct“ kennt unter anderem den Terminkalender, das Wetter, die Verkehrslage und Stauprognosen sowie den körperlichen Zustand des Fahrers, übermittelt von seinem Fitnessarmband. Wenn nun nachts eine Schneefront für schlechte Straßenverhältnisse sorgt und sich Staus abzeichnen, könnte das Auto von der Garage aus den Wecker des Fahrers eine halbe Stunde vorstellen, damit er ohne Stress pünktlich zur Arbeit kommt. Oder es lässt ihn nach einem anstrengenden Tag nicht mehr selbst fahren, sondern übernimmt das Steuer und dreht auf der Fahrt nach Hause dort schon mal die Heizung hoch.

Inwieweit Autobesitzer bereit sind, ihre Daten in dem genannten Umfang preiszugeben, wird sich zeigen. Die Entwicklung wird auf jeden Fall weitergehen. „Der digitale Big Bang hat längst begonnen“, sagte Porsches Digitalchef Thilo Koslowski unlängst auf der Automobilwoche-Konferenz in München. Sein Motto: „Daten sind das neue Öl, Algorithmen die neuen Motoren, und die neue Leistungseinheit ist Intelligenz.“

Autor: Redaktion Zukunft. Kunde.
Bildquelle: Sergey Nivens – Fotolia/Adobe Stock

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