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Digital Signage: Wie künstliche Intelligenz die Außenwerbung beflügelt

Digital Signage: Wie künstliche Intelligenz die Außenwerbung beflügelt

Werbung, die hustet
Die Litfaßsäule und das klassische Billboard waren gestern, heute überrascht und begeistert die Außenwerbung mit elektronischen Werbe- und Informationssystemen. Aber schon bald werden die digitalen Plakate noch viel mehr können. Möglich macht dies künstliche Intelligenz.

Die Marketingabteilung der schwedischen Apothekenkette Hjärtat hatte sich im Dezember 2016 etwas sehr Raffiniertes ausgedacht, um dem inneren Schweinehund von Rauchern einen Tritt zu verpassen. Sie entwickelte ein Werbeplakat, das hustete, sobald sich ihm ein Raucher näherte. Dafür buchte die Apotheke in Stockholm große digitale Werbeflächen. Darauf waren keine abschreckenden Schockbilder zu sehen wie auf Zigarettenschachteln, sondern nur ein Mann. Nichtraucher, die an ihm vorbeispazierten, hatten nichts zu befürchten. Aber jeder, der im Vorbeigehen an seiner Zigarette zog, bekam einen kleinen Schreck. Warum? Der Mann auf dem Plakat wendete sich ab und fing laut an zu husten. Dann folgte der lapidare Satz: „Wir sind die Apotheke Hjärtat. Unsere Mission ist es, Sie dabei zu unterstützen, länger und gesünder zu leben“. Die ertappten Raucher waren verblüfft oder lachten. Kalt gelassen hat die Plakataktion niemand. Die Technologie dahinter ist relativ simpel: Auf einem großen LED-Bildschirm wurde eine Videosequenz abgespielt. Rauchende Passanten wurden über einen Rauchmelder identifiziert. Diese Kampagne zeigt einen Trend in der digitalen Außenwerbung auf: Sie wird künftig zunehmend individuell auf das Verhalten und die Bedürfnisse von potentiellen Kunden reagieren und zugeschnitten.

Nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Kundenansprache

So könnte ein Werbeplakat auf Wetterdaten reagieren und ab 25 Grad Celsius Außentemperatur für Sonnencremes werben. Noch individueller wird es, wenn sich bestimmte Kundengruppen aufgrund persönlicher Parameter identifizieren lassen. Hier hat kürzlich ein Test in Japan eine neue Werbedimension eröffnet. An einer Stadtautobahn in Tokio nutzte ein Konsortium aus fünf großen Werbe- und IT-Unternehmen, darunter auch Intel, eine Außenwerbefläche. Eine Kamera beobachtete alle Fahrzeuge ab einer Entfernung von 800 Metern. Eine Erkennungssoftware analysierte alle erfassbaren Daten – angefangen von der Automarke bis zur Geschwindigkeit. Für jeweils fünf Sekunden erschien daraufhin eine für den jeweiligen Fahrer zugeschnittene Werbung. Wer in einem alten Mittelklasse-Toyota unterwegs war, dem wurde das neue Modell schmackhaft gemacht. Einem Lkw-Fahrer, der nachts Waren über die Autobahn transportierte, wurde Werbung für einen Energy-Drink gezeigt. Eine verrückte Marketingidee? Im Gegenteil: Digitale Außenwerbung bietet mithilfe künstlicher Intelligenz nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, Kunden auf Produkte, Services und Dienstleistungen aufmerksam zu machen. Beispielsweise lassen sich aus der Automarke Rückschlüsse auf Einkommen, Status, Lebenssituation und Bedürfnisse ziehen. Dabei sollte das intelligente, elektronische Plakat wie jedes Marketinginstrument in die komplette Customer Journey eingebunden und mit allen Kanälen verzahnt sein. Daran arbeitet aktuell das Leipziger Unternehmen Sensape. Es entwickelt derzeit eine intelligente Digital Signage mit Echtzeit-Personalisierungen, die im Hintergrund die demographischen Daten und die Emotionen der Benutzer mit den beworbenen Produkten analysiert und dadurch neue Rückschlüsse auf Zielgruppen und Strategien zur Kundenansprache in der Customer Journey bietet. Noch befindet sich diese intelligente Digital-Signage-Lösung in der Experimentierphase. Sobald sie zum Alltag gehört, wird auch der Anteil der als „nervig“ empfundenen Werbung beim Konsumenten sinken.

Autor: Redaktion Zukunft. Kunde.
Bild: zapp2photo – AdobeStock

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